This is the moment when you realize that the seeming offhandedness and impromptu grace of a session are no accident…
Barry Foy – Field Guide to the Irish Music Session
Wenn es darum geht, was man so üben und worin man sich weiterentwickeln sollte beim Thema irische Musik, dann denkt man meist nur an die Tunes, die man noch lernen muss. Es gibt aber ein paar andere Fähigkeiten, die echt hilfreich sind und einen dazu befähigen, die Session insgesamt und für alle schöner zu machen.
basic skills
- Rhytmus
- Repertoire
Nicht überraschend: Das beides braucht man. Muss man noch nicht gut können, aber mit einem Tune im richtigen Rhythmus kann man loslegen und von da aus aufbauen.
Was mir bei erwachsenen Autodidakten mit musikalischer Vorbildung oft auffällt: Tunes lernen geht schnell, Rhythmus geht unter. Auch wenn der später dazu kommt, ist der nicht sicher. Ist der Musiker dann z.B aufgeregt, wird sich an den Tönen festgehalten, nicht am Rhythmus. Ein Ton nach dem anderen ist default. Das ist schade, aber so sind viele von uns verdrahtet und es braucht etwas Arbeit, das zu ändern.
Rhythmus untrennbar mitlernen ist eine Lösung und dafür sind Seiten wie learn irish tunes oder die online academy for irish music super. (Und instrumentenspezifischer Unterricht online 1:1 oder aufgezeichnet, je nachem, was es gibt und was einem liegt.)
advanced skills
- Rhytmus „halten“
Damit meine ich, dass man sich nicht treiben lässt sondern stattdessen Leute an die Hand nehmen kann, die vor lauter Aufregung vorwärts stolpern. (Ohne, dass man bevormundet. Wobei – wenn jemand mit Absicht wie eine außer Kontrolle geratene MIDI-Datei in Lichtgeschwindigkeit durch die Tunes prügelt, dann darf ein alter Sessionhase auch bevormunden!), Und damit meine ich auch, dass man so ein bisschen den Stil des anderen erkennt und unterstützt. Vor allem Begleitinstrumente können da viel machen.
- Repertoire abrufen
Was kann ich überhaupt? Wer kennt's nicht? Man ist auf einer Session, man weiß, dass man uffdunduffzig Tunes kann und der einzige Tune der einem einfällt ist der, der gerade gespielt wurde!
Da hilft eine Liste. Im Telefon, auf Papier, Playlist in Youtube, … Als Neuling auf einer Session kann man die Listen mit der Stammbesetzung austauschen. Da lernt man sich etwas schneller musikalisch kennen.
Wer seine Liste auf thesession.org pflegt, kann sich dort auch ein gemeinsames Tunebook mit anderen Mitgliedern anzeigen lassen.

ABER: Listen sind Hilfsmittel! Zu Hause sinnvoll nutzbar aber auf der Session sollten sie nur im Ausnahmefall rauskommen!
Es ist schwer zu erklären warum, aber wenn man auf der Session seine Liste auf den Tisch legt und davon spielt, kommt man schwer in Kontakt. Musikalisch und zwischenmenschlich.
Man muss nicht von null auf gleich die ganze Liste im Kopf haben. Auf der Session soll mich meine Liste ja an die Tunes erinnern, die ICH anspielen könnte. An die, die jemand anderes anspielt erinnert mich derjenige ja durch das Anspielen. Die selbst angefangenen sind ein paar Tunes/Sets, die ich gut führen kann. Oder zumindest so anfangen kann, dass ich nicht hektisch, schnell und unrhythmisch bin und ganz doll hoffe, jemand setzt ein und nimmt mich an die Hand! (‚Egal was‘ entspannt aus der Kalten spielen können ist eine weitere erstrebenswerte Fähigkeit.)
Was die Liste angeht, bedeutet advanced, dass ich nicht nur meine Tunes kenne, sondern auch die der anderen! Vor allem die gemeinsamen! Und da wird es dann nett auf der Session! Wenn man Leute einbinden kann, wenn Sets einen Grand Finale Tune haben, den alle können …
Es geht also nicht um stur auswendig lernen sondern um den Bezug. Je mehr Gedanken ich mit dem Tune verknüpfe, desto öfter ploppt was auf, was mich an ihn erinnert.
Ich kann dazu die Liste durchgehen Tune für Tune oder in Gedanken die Stamm-Musiker auf meiner Lieblingssession oder wenn ich zu Hause einen Tune spiele über diesen Tune nachdenken. Von wem hab ich den gelernt? Wenn es von ner CD ist: Wer meiner Mitmusiker mag den Künstler auch? Hab ich den Tune schon mal mit XYZ auf meiner Session gespielt? Oder andersrum: Links neben mir saß auf der letzten Session Conny – welchen Tune spiele ich mit Conny am liebsten?
- spontan Sets machen
Man kann sich natürlich zu Hause verschiedene Sets überlegen und üben, aber es ist eine coole Fähigkeit, wenn man das spontan kann. Weil einer der geplanten Tunes schon gespielt wurde oder weil man gerade Lust hat, diesen Tune mit diesen Leuten genau jetzt zu spielen!
Vorbereitete Sets neigen dazu, als ‚eins‘ im Muskelgedächtnis gespeichert zu werden. Das kann man dann nur am Stück. Tunes weglassen oder die Reihenfolge ändern geht dann nicht. Das ist schade und auf Dauer auch langweilig.
Eine Übung zum Wechseln: Tunes einer Kategorie (Jigs, Reesl, etc.) auf Zettel schreiben, mehrere ziehen und offen auf den Tisch legen. Sobald man den ersten Titel gelesen hat, spielt man los. Und liest erst dann, was danach kommt!
Um spontan einen Tune an einen anderen zu spielen, muss man in dem ersteren ‚zu Hause‘ sein. Während man den spielt, muss man über den nächsten nachdenken können! Welchen? Wie geht der? Man muss, während man den einen Tune spielt, den nächsten im Kopf hören können! Wie wird der Übergang klingen?
Die meisten von uns werden das üben müssen. Ein Tipp dafür ist: Anhalten, im Kopf den Anfang vom nächsten Tune summen, weiterspielen. Man schiebt das ‚im Kopf hören‘ des nächsten Tunes also erstmal in eine Lücke zwischen die Tunes. Diese genaue Vorstellung, wie der Anfang des nächsten Tunes klingt, die ist wichtig. Auch hier muss vor allem der Rhythmus stimmen. Auftakt ja oder nein? Möchte man den Anfang des nächsten Tunes etwas abwandeln? Ich finde das vor allem bei Tonartenwechseln cool, wenn man mit langen Tönen/ Akkorden einsteigt. Rumms Bumms Tonartenwechsel! Unüberhörbar. Heimlich in den nächsten Tune schleichen kann auch gut sein. Was auch gleich die Überleitung zu einem weiteren Skill ist:
- Variationen
Um Variationen zu spielen, muss man diese auch vorher schon im Kopf hören/ erahnen. Vor allem, wenn es rhythmische Variationen sind.
Generell ist es mit Variationen wie mit Verzierungen (die ja auch Variationen sind): Es gibt keine klaren Regeln, aber es ist auch nicht alles passend. Wie so oft hilft es, sich beim ‚Muttersprachler‘ abzuhören, was geht. Was machen die musikalischen Vorbilder? Erstmal nachmachen. Und dann versuchen, das System zu erkennen und zu übertragen!
Ein Tipp, den ich gut finde und trotzdem erst einmal gemacht habe: Eine ‚olle Kamelle‘ eine Stunde lang spielen. Nichts anderes. Immer wieder den Tune. Langsam, schnell, Betonung auf dem Beat/ Offbeat/ Backbeat. Ganz ohne Verzierungen und dann mit allen, die einem einfallen… und weiterspielen. Bis man aus lauter Langeweile Phrasen rückwärts spielt oder anderes witziges Zeug ausprobiert. Irgendwann im Laufe der Stunde kann man wunderbar den Tune spielen und sich gleichzeitig im Kopf überlegen, was man noch tun könnte!
Mit Übung kann man dann so gut beim Spielen zuhören, dass man Variationen der anderen Musiker bemerkt und so gut raushört, dass man die im nächsten Durchgang auch macht.
- Pausen ertragen
Durchatmen, lächeln, den letzten Tune nachklingen lassen.
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