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Flowing Tide Blog

2011 Februar 21

B/C Box - irisches (Knopf-) Akkordeon

Eingetragen von Irina

Wir wollen ja so nach und nach unsere Instrumente vorstellen. Und nun ist "sie" dran: Meine Box! Eine Hohner Pokerwork (auf englisch), Wiener Harmonika (auf deutsch) und "verrückte Wiener" für einen Akkordeonbauer aus Dresden:


Technisch ist es eine diatonische Harmonika. Diatonisch deshalb, weil sie zwei Knopfreihen auf der Melodieseite hat, auf der jeweils eine Tonleiter gespielt werden kann. Auf Zug bzw. Druck des Balges erklingen verschiedene Töne. Und ähnlich wie die Mundharmonika ist auch diese Harmonika auf Akkorden aufgebaut - so wird wohl mal der Name "Akkordeon" entstanden sein:
Spielt man den Grundton und drückt gleichzeitig die zwei danebenliegenden Knöpfe, erklingt der Hauptakkord des Instrumentes. Bei meiner Box ist die Innenreihe in C-Dur gestimmt - also erklingen C,E,G. Die nächsten drei Knöpfe sind auf Druck wieder C,E,G, und danach wieder C,E,G. Die fehlenden Töne der Tonleiter (D,F,A,H) sind jeweils auf Zug. Ein ganz eigene Logik - drei Töne auf Druck, vier Töne auf Zug - das kommt nicht auf! Ein Knopf hat also nicht immer auf Zug und Druck den gleichen Ton! Das tiefe H findet sich auf einem Knopf unter dem C, das mittlere auf dem gleichen und das obere findet man eine Knopf höher.

Es hilft, in Akkorden zu denken (oder gar nicht zu denken....so theoretisch das Folgende klingen mag, so intuitiv ist das Knopfakkordeon zu spielen. Ich schreibs nur auf, falls es neben mir noch jemanden gibt, den sowas intressiert.)


In - zum Beispiel - englischer Morris-Musik folgt die Grundstimmung des Instruments brav genau dieser Logik: Die Musik ist vor allem in D- und G-Dur und um alles spielen zu können, sind die Knopfakkordeons mit einer D-Dur und einer G-Dur Reihe ausgestattet. Mit passenden Akkorden auf der linken Seite, die jeweils zu den Zug- bzw. Drucktönen passen.
In Deutschland sind C/F Instrumente beliebt (vielleicht, weil das passende Tonarten für die meisten Sänger sind)
Jede Reihe für sich ist harmonisch, intuitiv spielbar und folgt ganz simpler Harmonielehre.
Irische Musik ist nur augenscheinlich so simpel und die die irische Box verwendet einen ganz einfachen Kniff, um die Grenzen der diatonischen Harmonika zu sprengen!
Vereinfacht ausgedrückt sind in der irischen Musik die beliebtesten Tonarten D- und G-Dur aber die beliebteste Stimmung für die Box ist B/C: C-Dur auf der Innenseite und H-Dur (auf englisch ist H=B) auf der Außenseite.

Klingt erstmal unpraktisch, ist aber genial! Die beiden Tonreihen liegen einen Halbton auseinander und damit hat man ein voll chromatisches Instrument. Alle Töne sind da - man muß nur "über die Reihen spielen". Einige Töne finden sich sogar auf beiden Reihen - aber in unterschiedlichen Richtungen. Im Gegensatz zum "Pianoakkordeon" - dem typischen chromatischen Akkordeon - sind aber die Wege viel kürzer. Für das Tempo irischer Musik sehr praktisch. Außerdem liefert der Wechsel zwischen Zug und Druck einen rhythmischen Aspekt - oft hilfreich für Tanzmusik!

Spätestens auf der Bass-Seite ist allerdings Schluß mit intuitiv: Während die "anderen" Harmonikas je einen passen Dur und Moll Akkord pro Reihe für Zug und Druck haben, braucht man eine kompliziertere Lösung, wenn man dieses Schema verläßt.

Meine Box hatte ursprünglich das typische Hohner Bass-Layout mit Akkorden für eben C-Dur und H-Dur. Damit kann man in irischer Musik nix anfangen. Was mir auch nicht ganz so gut gefiel, war der typische Hohner Klang. Jeder Ton wird von zwei Stimmzungen erzeugt, die knapp "nebeneinander" gestimmt sind. Je enger diese Zungen aufeinander gestimmt sind, desto trockener der Klang. Man hört die Differenz dieser Schwingungen als "Bauwauwauwau" wenn sie weit genug auseinanderliegen. Viel "Bauwauwauwau" = viel Tremolo - wie eben beim typischen Hohner Klang. Sehr gut, um gehört zu werden aber für meinen Geschmack zu sehr "Junge, komm bald wieder"....

"Falsches" Bass-Layout, zuviel Tremolo, ein "verklemmter Ton" und eine gebrochen Feder haben mich bewogen, die Box überarbeiten zu lassen (und meine begrenzten Fähigkeiten haben mich abgehalten, eine bessere Box zu kaufen - ich kann auf dieser noch viel lernen, bevor ich hinausgewachsen bin!).

Herr Schneeberg hat sie repariert, gesäubert, trockener gestimmt und mir "custom basses" eingebaut. Eine Bass-Stimmung, die auch in irischer Musik nicht üblich ist. Sie folgt meiner ganz eigenen Logik...
Da ich ja vorher die Bässe nicht gebrauchen konnte, werde ich die Bass-Seite damit lernen und nie wissen, ob sie wirklich gut sind. So sehen sie aus, die Bässe für meine B/C Box:

oben (Druck/Zug)
C/G Em/Hm
G/D D/A
unten

C/G sind geblieben wo sie sind, damit ich irgendwann auch mal ein Cajun Stück lernen kann.
Auf der Melodie-Seite sind die Töne für D- und G-Dur auf Zug und Druck und die Akkorde werden sehr oft gebraucht. Darum gibt es sie auch in beiden Richtungen. C-Dur Töne gibt es nur auf Druck - also brauche ich den Akkord nur auf Druck. A-Dur hat auf der Melodieseite zwei Töne auf Zug und den dritten - die Terz- in beiden Richtungen. Also liegt A-Dur auf Zug. Em fand ich wichtig für die vielen Tunes in E-dorisch und Hm dient als Substitution für D-Dur (außerdem gibt es coole Tunes in H-moll). Ich hätte da auch gern F#m gehabt - supercooler Akkord in D-Dur Tunes - aber etwas "aufdringlicher" als Hm. Da Platz auf der Bass-Seite begrenzt ist, hat Hm gewonnen....
Die Akkordwahl finde ich nach meinen ersten Versuchen gelungen, die Verteilung auf die Tasten könnte günstiger sein....
Wie auch immer: Die Pokerwork ist ein nettes Einsteigerinstrument an der ich noch lange viel Spaß haben werde und Herr Schneeberg ist sehr zu empfehlen!

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